Wie hilft mir der Cost Average Effekt?

14. August 2011 | Von | Kategorie: Money Management

Nehmen wir einmal an, Sie möchten einen Geldbetrag ansparen, den Sie nicht so schnell wieder benötigen, also für Vermögensaufbau, Altersvorsorge, etc. Und nehmen wir weiter an, daß Sie sich nicht mit Sparbuchrenditen von 0,5% oder Tagesgeldrenditen von 2% pro Jahr zufriedengeben möchten.

Viele Berater empfehlen in diesen Fällen einen Fondssparplan. Grundsätzlich würde ich mich dieser Empfehlung anschließen, wobei man es richtig machen sollte. Aber was ist denn nun „richtig“?

Interessiere ich mich z.B. für eine Aktie, dann wäre es doch (theoretisch) optimal, am tiefsten Punkt zu kaufen und am höchsten Punkt zu verkaufen. Warum theoretisch? Nun, einer meiner Investorenkollegen sagt immer, es gibt nur zwei Personengruppen, die den Markt perfekt „timen“, also immer am tiefsten Punkt kaufen und am höchsten verkaufen: Glückspilze und Lügner. Selbst schafft man das höchstens gelegentlich einmal.

Wie kann ich dies nun mit einem Fondssparplan optimieren?

Nutze ich einen Fondssparplan, lege also z.B. monatlich einen Betrag von 50 oder 100 Euro an, so greift der sogenannte Cost-Average-Effekt. Das Risiko, teuer zu kaufen und den Markt dann fallen zu sehen, wird abgefedert. Denn wenn der Markt fällt, kaufe ich zukünftig Anteile zu geringeren Preisen. Der folgende Artikel verdeutlicht das.

In welchen Märkten funktioniert das? Grundsätzlich in allen Märkten, die steigen und fallen. Steigt ein Markt nur und fällt nie, ergeben Sparpläne keinen Sinn. Aber gibt es überhaupt einen solchen Markt? Diverse Krisen haben uns das Gegenteil gezeigt – man denke nur an die Dotcom-Blase 2000 oder die Subprime-Immobilienkrise.

Besser funktioniert es in volatilen Märkten. Volatil heißt vereinfacht, daß der Kurs im Verhältnis zum eigentlichen Anstieg (oder Abfall) stark schwankt. Was den Investor mit einer Einmalanlage sehr nervös machen kann, läßt den Sparplan-Investor ruhig schlafen – denn dieser kann durchaus am Tief der Schwankung kaufen – und das, ohne ständig den Markt zu beobachten.

Beschäftigt man sich – wie die meisten Vollzeit-Angestellten – nicht überaus viel mit dem Markt, ist so ein Sparplan eine gute Sache, weil man es gut organisieren kann (es gibt automatische Sparpläne, um die man sich nach der Einrichtung praktisch nicht mehr kümmern muß).

Also ein tolles System. Einen Haken gibt es aber bei der Sache: Mit wachsender Anlagegröße verliert der Cost-Average seinen Wert. Nehmen wir einmal an, Sie haben bereits 400.000 Euro angespart. Der durchschnittliche Kaufpreis je Anteil war, sagen wir mal. 25 Euro. Welche Rolle spielt es noch, ob ich für 50 Euro nun 2 oder nur 1,3 Anteile bekomme? Keine große! Als der Depotwert noch 400 Euro betrug, war das anders.

Was tun wir, um dies auszugleichen?

Wir suchen zunächst den Fonds heraus, der für unsere Bedürfnisse am besten paßt. Ein für jeden gültiges Patentrezept gibt es nicht, dennoch ein paar Kriterien:

  • Ist der Zeitrahmen lang genug? Ideal sind zeitlich unbegrenzt laufende Fonds.
  • Vertraue ich dem Fondsmanager? (Es gibt viele Infos im Internet – nutzen Sie sie!)
  • Hat sich der Fonds besser als andere Fonds gleicher Ausrichtung entwickelt?
  • Wie schneiden die anderen Fonds der Gesellschaft, vor allem dieses Managers, ab?Bei diesen beiden Punkten ist die strategische Ausrichtung der Fonds zu beachten, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen
  • Lesen Sie den Verkaufsprospekt – wenn Sie ihn auch nach Rückfragen nicht verstehen: Finger weg
  • Gibt es „Fußangeln“ wie versteckte Sondergebühren oder Rücknahmesperren?
  • Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag? Ideal für unsere Strategie sind 100% Rabatt.
  • Gibt es einen Rücknahmeabschlag? (Idealerweise nicht)
  • Kann man den Fonds im Fall des Falles an der Börse verkaufen?
  • Wie hoch sind Gesamtgebühren (TER)? Hier geht es um das Verhältnis zur Rendite.

Man sucht also einen Aktienfonds, der den oben genannten Punkten möglichst nahe kommt. Dann findet man heraus, wo die Range der letzten Jahre liegt (z.B. Tiefstkurs 10 Euro, Höchstkurs 30 Euro). Man spart einen festen Betrag (z.B. 50 Euro/Monat). In der Nähe der Höchstmarke (oberer Rand der Range) verkauft man 50% der Position (so ist man noch beteiligt, wenn es höher gehen sollte). In der Nähe der Tiefstmarke verdoppelt man die Sparrate. Ist der vorherige Gewinn komplett wieder angelegt, kann man die Sparrate auf den ursprünglichen Wert setzen. Es kann aber gut sein, daß man vorher wieder oben angekommen ist und schon eine Teil verkauft hat – in dem Fall kann man die Sparrate beim nächsten Boden nochmals verdoppeln.

Einen Nachteil hat diese Strategie: Sie macht ein wenig Arbeit. Und erfordert eine gewisse emotionale Stabilität: Wenn alle um einen herum panisch verkaufen, soll man nicht nur die Anteile halten und weitersparen, sondern auch noch seine monatliche Sparrate verdoppeln. Unterschätzen Sie diese Situation nicht.

Ich wünsche Ihnen gute Gewinne.

Schlagworte: , , ,

6 Kommentare auf "Wie hilft mir der Cost Average Effekt?"

  1. Moritz sagt:

    Interessante Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Freue mich auf neue Eintraege!

  2. Ich hatte Lust fuer zukuenftige Posts auf dem laufenden zu bleiben, aber wo finde ich den Link zum Feed ?

  3. michele sagt:

    Thank you for sharing your ideas and thoughts. I really appreciate it!

  4. […] dem genannten Punkt ist der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) verbunden. Der Cost-Average-Effekt beschreibt die Folge der Verteilung […]

Schreibe einen Kommentar