Center of Excellence als Plattform für die Berichterstattung nach IAS/IFRS

27. Juni 2011 | Von | Kategorie: Shared Services

Wieso IAS/IFRS?

Die EU-Verordnung vom 19.07.2002 („IAS-Verordnung“[1]) hat die kapitalmarkorientierten Unternehmen dazu verpflichtet, ab 2005 ihre Konzernabschlüsse nach IAS/IFRS zu erstellen. Darüber hinaus räumt die o. g. Verordnung den Mitgliedsstaaten ein Wahlrecht ein, die IAS/IFRS auch für nicht kapitalmarktorientierte Konzerne sowie für den Einzelabschluss aller Unternehmen vorzuschreiben bzw. zuzulassen.

Die Übernahme und Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards in der EU hat das Ziel, die Abschlüsse betroffener Gesellschaften zu harmonisieren, um einen hohen Grad an Transparenz und Vergleichbarkeit und damit eine effiziente Funktionsweise des Kapitalmarkts in der EU sicherzustellen.

Die Umstellung auf IAS/IFRS und die Berichterstattung nach den internationalen Rechnungslegungsstandards ist sicherlich eine Investition. Diese Investition kann sich aber sehr schnell zurückzahlen, wenn die Umstellung organisatorisch intelligent gemeistert wird. Dank Umstellung auf IAS/IFRS können sogar Kostenersparnisse realisiert werden – und dabei die Anforderungen an Qualität, Standardisierung und Harmonisierung erfüllt werden.

Center of Excellence bietet sich an

Eine der Möglichkeiten bietet die Platzierung der Berichterstattung nach IAS/IFRS in einer Shared Service Organisation. Dadurch, dass die Berichterstattung nach IAS/IFRS weltweit einheitlich sein sollte, macht es Sinn, auch die Berichterstattung für einzelne Tochterunternehmen im Rahmen einer Einheit (eines Centers of Excellence) zu zentralisieren. Dieses Modell kostet nicht nur weniger, als die traditionelle Lösung, bei der jede Tochtergesellschaft diese Aufgabe wahrnimmt, sondern macht auch möglich, die Qualität und Konsistenz des Reportings konzernweit sicherzustellen.

Ein Center of Excellence unterscheidet sich von einem klassischen Shared-Service-Modell. Während die klassische Shared-Service-Lösung meistens auf transaktionsintensive Prozesse spezialisiert ist, ist das Center of Excellence wissensintensiv geprägt. Eine solche Einheit nimmt die wissensintensiven Aufgaben für einzelne Tochtergesellschaften, Länder und/oder Sparten wahr.

IAS/IFRS in einem Center of Excellence: Vorteile

Das Center of Excellence als Plattform für die Berichterstattung nach IAS/IFRS bietet viele Vorteile. Deswegen nutzen bereits mehrere Konzerne dieses Modell. Das bestätigt z. B. die Deloitte-Studie „Shared Services shines in challenging times. Insights from Deloitte’s 2009 global shared services survey“[2], in der über 700 Shared Service Center untersucht worden sind.

30% der Befragten waren der Meinung, dass sich die Zuständigkeit der Shared Service Center um das IAS/IFRS Reporting erweitern wird, weitere ca. 30% äußerten die Meinung, dass das IAS/IFRS-Reporting in einem Shared Service Center platziert wird bzw. sein wird und weitere fast 30% waren der Auffassung, dass die Implementierung der IAS/IFRS vom SSC forciert wird.

Shared Services Woche 2012

Dank Platzierung der Berichterstattung nach IAS/IFRS in einem Center of Excellence können folgende Vorteile erreicht werden:

  • Personalersparnisse. Die Zentralisierung des Reportings in einer Einheit macht es möglich, die Arbeit effizienter zu organisieren, als wenn sie mehreren Gruppen überlassen wäre. Dank entstandenen Synergien können dieselben Aufgaben mit weniger Personalressourcen erledigt werden.
  • Bessere Anpassung der Gehälter an Zuständigkeiten und Positionen. In einem heterogenen Umfeld mit mehreren Berichterstattungsquellen kommt es oft vor, dass die Mitarbeiter, die für die Berichterstattung in verschiedenen Tochtergesellschaften zuständig sind, ähnlich verdienen, obwohl der Umfang und die Komplexität der Berichterstattung von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren. In einem Umfeld mit dem Center of Excellence ist es einfacher, die Gehälter gerechter zu gestalten und Personen nach Leistung zu bezahlen.
  • Optimale Anzahl der Kontrollstellen. Während die einzelnen Tochtergesellschaften eines Konzerns (insbesondere die kleineren Einheiten) oft mit Managern überlastet sind, ermöglicht die Lösung in Form eines Centers of Excellence wegen dessen Größe und damit verbundenen Synergien die Anzahl der Manager zu reduzieren.
  • Weniger Outsourcing, mehr Kontrolle. Im traditionellen Modell lagern oft kleinere Gesellschaften die Berichterstattung an dritte Anbieter aus, da sie nicht die kritische Größe erreicht haben, um eigene Reporting-Spezialisten einzustellen. Die Übernahme dieser Aufgaben durch das Center of Excellence ermöglicht es, die Berichterstattung zu geringeren Kosten und unter eigenem Dach zu erstellen.
  • Kostensenkung im IT-Bereich. Das Center of Excellence als eine Einheit ermöglicht es, auch eine einzige IT-Plattform zu halten, statt mehrere IT-Plattformen in diversen Ländern zu betreiben. Auch die Vorgehensweise der Arbeit mit dem Berichterstattungstool (z.B. Daten-Upload oder manuelle Dateneingabe) lässt sich standardisieren. Dies trägt ebenfalls zur Kostensenkung bei.
  • Niedrigere Bildungskosten. Qualitativ gute Berichterstattung nach IAS/IFRS erfordert qualifiziertes Personal und regelmäßige Schulungen. Deren Kosten lassen sich senken, indem die Experten für internationale Rechnungslegung an einem Ort verfügbar sind, sodass Reisekosten gespart werden können. Darüber hinaus kann regelmäßiger, täglicher Wissens- und Erfahrungsaustausch unter einem Dach stattfinden.
  • Einheitliche Berichterstattung. Im traditionellen Modell mit mehreren Einheiten, die für die Berichterstattung zuständig sind, stellt sich das Problem, dass die Bilanzierungsrichtlinie und die Vorschriften der internationalen Rechnungslegung unterschiedlich ausgelegt und angewendet werden. Das Modell in Form eines Centers of Excellence macht es möglich, die Berichterstattung zu harmonisieren, zu standardisieren und die Konzernvorgaben besser einzuhalten.

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