21 Länder, die (fast) pleite sind

27. Juni 2011 | Von | Kategorie: Money Management

Egal, ob Privatpersonen, Unternehmen oder ein Staat – wer über seine Verhältnisse lebt, der muss früher oder später den Preis dafür zahlen. Eines Tages ist der Betroffene einfach nicht mehr in der Lage, seine Schulden zu bezahlen – und geht pleite. Allerdings verläuft die Staatsinsolvenz ein wenig anders, als die Privatinsolvenz oder die Insolvenz eines Unternehmens.

Staatsinsolvenz: Was ist das?

Staatsinsolvenz (bzw. Staatsbankrott) wird definiert als faktische Einstellung fälliger Zahlungen oder die förmliche Erklärung einer Regierung, fällige Forderungen nicht mehr (Repudiation) oder nur noch teilweise erfüllen zu können.

Ursachen? Generell können zwei Gründe genannt werden, die zur Staatsinsolvenz führen können: entweder ist der Staat nicht mehr in der Lage, seine Staatsschulden vollständig zu bedienen oder die Regierung weigert sich, bestehende Verbindlichkeiten zu bedienen (obwohl dies ökonomisch möglich gewesen wäre).

Staatsinsolvenz: Was ist da besonders?

Und hier kommen wir zum Unterschied zwischen der Situation, in der sich der insolvente Staat befindet und der, in der sich ein insolventes Unternehmen befindet. Der Staat ist nämlich in der Lage, im Falle der Überschuldung, Geld zu drucken und auf diese Art und Weise versuchen, die bestehenden Schulden zu begleichen. Das hat zur Folge, dass höchstwahrscheinlich eine Inflation bzw. Hyperinflation ausbricht und die Schulden mit wertlosen Geldmitteln beglichen werden.

Dies gilt aber nur für die Schulden in eigener Währung. Mit wertlosem Geld lassen sich aber die Verbindlichkeiten in Fremdwährungen nicht zurückzahlen. Wenn es also zum Staatsbankrott kommt, ist es deswegen dann meistens eine Teilinsolvenz, bezogen auf die Schulden in Fremdwährungen.

Die Folgen der Insolvenz sind für einen Staat und ein Unternehmen ebenfalls unterschiedlich. Im Gegensatz zu einem Unternehmen kann der Staat weder aufgelöst werden, noch seine Insolvenzmasse kann versteigert bzw. verkauft werden. Die Gläubiger müssen sich also mit anderen Mitteln befriedigen. Sie können z. B. den Schuldner finanziell ausgrenzen, ihm keine neuen Kredite gewähren und/oder Vorauskasse bei Importen fordern. All das ist sehr schmerzhaft, führt meistens zu einer tiefen Wirtschaftskrise im betroffenen Land und der Senkung des Lebensstandards seiner Bürger. Aus diesem Grund lohnt es sich für den Schuldner, mit den Gläubigern zu verhandeln, um erneut Zugang zu internationalen Finanzmärkten zu gewinnen.

Kumulative Ausfallwahrscheinlichkeit

Kumulative Ausfallwahrscheinlichkeit (engl. cumulative probability of default bzw. CPD) ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Forderung (meist in Form eines Kredites aber auch aus Leistungen und Lieferungen) über einen bestimmten Zeitraum ausfällt. In anderen Worten ist das ein Maßstab, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Schuldner seine Verbindlichkeit in einem bestimmten Zeitraum nicht begleicht.

Griechenland, Venezuela, Irland, Portugal … – wer ist der Nächste?

Das Online-Magazin Business Insider hat die Liste der 21 Länder mit den höchsten Werten der kumulativen Ausfallwahrscheinlichkeit (CPDs) zusammengestellt (mit der höchsten Wahrscheinlichkeit der Zahlungsunfähigkeit über eine bestimmte Zeit). Hier ist die Liste dieser Länder sortiert nach deren aktuellen CPD-Werten:

  1. Griechenland (CPD: 57,7%)
  2. Venezuela (51,8%)
  3. Irland (43,0%)
  4. Portugal (40,1%)
  5. Argentinien (34,7%)
  6. Ukraine (27,7%)
  7. Dubai (24,7%)
  8. Libanon (21,9%)
  9. Irak (21,1%)
  10. Ägypten (21,1%)
  11. Bahrain (20,3%)
  12. Vietnam (20,3%)
  13. Spanien (18,9%)
  14. Ungarn (16,7%)
  15. Kroatien (15,5%)
  16. Rumänien (15,5%)
  17. Lettland (15,0%)
  18. Litauen (14,5%)
  19. Indien (13,7%)
  20. Bulgarien (13,5%)
  21. Italien (12,5%)

Zwölf dieser Länder liegen in Europa, neun von ihnen gehören der EU und fünf sind Mitglieder der Euro-Zone. Wird demnächst Europa zahlungsunfähig sein? Wie viele Schulden werden demnächst abgeschrieben? Und… wie viele Gläubiger sind betroffen?

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Ein Kommentar auf "21 Länder, die (fast) pleite sind"

  1. […] Schuldenberg hat bereits eine astronomische Höhe erreicht und er wächst immer weiter. Die Fakten sehen wie […]

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